Die späten Violinwerke von Robert Schumann verdanken ihre Entstehung hauptsächlich einem genialen jungen Geiger, mit dem sich der alternde Komponist in Düsseldorf anfreundete: Joseph Joachim. Der Ungar, der bald Deutschlands bedeutendster Geiger und Kammermusiker sowie der engste Freund von Johannes Brahms werden sollte, brachte ins Düsseldorfer Haus der Schumanns bei jedem seiner Besuche Glanz und eine ungetrübte Freude am Musizieren, der Clara und Robert frönten.
Die Pianistin Fanny Davies hat beschrieben, wie Joachim die Sonate a-Moll zusammen mit ihrer Lehrerin Clara Schumann gespielt hat: «am Anfang unter Hochdruck mit einem impulsiven Crescendo der Geige über dem atemlosen Agitato der gebrochenen Klavierdreiklänge; den zweiten Satz als Tongedicht von pastoraler Einfachheit;
das Finale fliessend wie in einem Bachstück. Unvergesslich, wie Joachim am triumphalen Höhepunkt des Finales seine Geige wie ein Horn erschallen liess.»
Die Premiere von Beethovens Kreutzer-Sonate im Mai 1803 in Wien war eine kuriose Angelegenheit: Der englische Geiger George Bridgetower spielte die erst am selben Morgen um 8 Uhr fertig gewordene Geigenstimme, Beethoven nutzte dafür ein fragmentarisches Klaviermanuskript, denn zum Ausschreiben des vollständigen Klavierparts fehlte die Zeit. Ob dies der Grund für das Gelächter der Wiener war – Carl Czerny berichtet, dass man Musiker und Werk bei der Uraufführung ausgelacht habe!
Heute ist die Sonate ein Nonplusultra des Violinrepertoires. Bekannt geworden ist sie jedoch nicht unter dem Namen Georges Bridgetowers, für den sie geschrieben wurde, sondern unter dem Namen des französischen Geigenvirtuosen Rodolphe Kreutzers, dem Beethoven sie später widmete.
2026
Konzert 6
Robert Schumann
(1810-1856)
Sonate für Klavier und Violine Nr. 1
a-Moll Op. 105
I. Mit leidenschaftlichem Ausdruck
I1. Allegretto
III. Lebhaft
Ludwig van Beethoven
(1770-1827)
Sonate für Klavier und Violine Nr. 9
A-Dur Op. 47
I. Adagio sostenuto – Presto – Adagio
Il. Andante con Variazioni
III. Finale: Presto